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Silage bei Pferden

Eine Hand hält eine große Menge frisches, grünes Gras über einem Feld mit gemähtem Gras.

Silagefütterung beim Pferd – Risiko oder vertretbare Option?

In der Pferdefütterung ist Heu nach wie vor das Grundnahrungsmittel Nummer eins. Doch immer wieder kommt die Frage auf, ob auch Silage eine Option sein kann – gerade wenn Heu knapp oder teuer ist, oder das Pferd an allergischem Husten leidet. Die Antwort ist nicht einfach, denn Silage ist nicht gleich Silage, und für Silage bei Pferden gelten andere Maßstäbe als in der Rinderfütterung.

Silage, Heulage, Heu – kurz erklärt

  • Heu: Getrocknetes Gras mit sehr geringem Wassergehalt (ca. 12–15 %). Es wird durch Trocknung haltbar gemacht.
  • Heulage: Angewelktes Gras mit mittlerem Trockensubstanzgehalt (ca. 50–70 %), wird durch Milchsäuregärung konserviert.
  • Silage: Frischgras mit höherem Feuchtigkeitsgehalt (ca. 30–50 % TS), ebenfalls durch Gärung konserviert, aber deutlich feuchter und stärker vergoren als Heulage.

Der entscheidende Unterschied liegt im Feuchtigkeitsgehalt und im Gärgrad. Und genau das macht klassische Silage für Pferde problematisch.

Während Heu der natürliche Raufutterlieferant für Pferde ist und Heulage unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden kann, ist klassische Silage aufgrund ihrer hohen Feuchtigkeit und intensiven Gärung für Pferde nicht geeignet.

Was macht Silage für Pferde so problematisch?

Pferde haben einen langen, empfindlichen Verdauungstrakt, der auf strukturreiches, eher trockenes Futter eingestellt ist. Sie sind keine Wiederkäuer, und ihre Darmflora reagiert sehr sensibel auf Fehlgärungen, ungewohnte Säuren und mikrobielle Belastungen.

Silage auf dem Boden

Typische Risiken der Silagefütterung beim Pferd:
  • Verdauungsstörungen & Koliken: Der hohe Anteil an Milchsäure in Silage kann das empfindliche Gleichgewicht der Darmflora stören. Übersäuerung und Fehlgärungen sind häufige Folgen – bis hin zur gefährlichen Kolik.
  • Clostridien & Botulismus: Besonders feuchte Silage neigt bei unsachgemäßer Lagerung zur Clostridienbildung. Gelangen diese ins Futter – etwa durch Tierkadaverreste oder kontaminiertes Erntegut – kann das für Pferde tödlich enden.
  • Hufrehegefahr: Silage enthält oft höhere Mengen an Zucker, Eiweiß und leicht vergärbaren Kohlenhydraten. Für rehegefährdete oder stoffwechselkranke Pferde kann dies ein erhebliches Risiko darstellen.
  • Mykotoxine & Schimmelpilze: Schlechte oder beschädigte Silage kann mit Schimmelpilzen oder deren Stoffwechselprodukten belastet sein. Diese schädigen Leber, Darm und Immunsystem nachhaltig – oft unbemerkt.

Warum wird Silage trotzdem manchmal an Pferde verfüttert?

In einigen Ställen wird Silage (meist aus der Rindermast) aus folgenden Gründen verfüttert:

  • Geringere Staubbelastung als bei Heu – scheinbarer Vorteil für lungenkranke Pferde
  • Niedrigerer Preis oder regionale Verfügbarkeit
  • Bessere Lagerbarkeit bei begrenztem Platz

Diese Argumente mögen aus praktischer Sicht nachvollziehbar sein – sie wiegen jedoch die gesundheitlichen Risiken nicht auf. Nur in sehr speziellen Ausnahmefällen und unter strenger Kontrolle kann eine sehr trockene Silage (technisch eher Heulage) für Pferde verwendet werden.

Was bedeutet das für die Praxis?

Wer Silage ins Auge fasst, sollte sich der Verantwortung bewusst sein und strenge Qualitätskriterien anlegen:

5 wichtige Grundsätze zur Silagefütterung beim Pferd

  • Nur mit Laboranalyse: Silage darf nur verfüttert werden, wenn ihr Trockensubstanzgehalt, pH-Wert, Milchsäuregehalt, Keimbelastung und hygienischer Zustand analysiert wurden – am besten regelmäßig.
  • Finger weg bei klassischen Silagen: Produkte mit unter 50 % Trockensubstanz oder mit deutlich vergorenem Geruch (stark sauer, stechend) sind absolut ungeeignet für Pferde.
  • Keine geöffnete Silage lange stehen lassen: Ein angebrochener Ballen muss innerhalb von 2 Tagen (im Sommer sogar schneller) verbraucht werden – sonst droht Nachgärung oder Schimmelbildung.
  • Strikte Sauberkeit & Lagerhygiene: Die Silage muss luftdicht, kühl und sauber gelagert werden. Schäden an der Folie, Schmutzeintrag oder Feuchtigkeit erhöhen die Botulismusgefahr massiv.
  • Bei Risikopferden ganz vermeiden: Pferde mit Stoffwechselstörungen (EMSCushing), chronischer Rehe oder Darmerkrankungen sollten grundsätzlich keine Silage bekommen.

Fazit: Silage ist nicht pferdegerecht – mit wenigen Ausnahmen

Klassische Silage ist für Pferde nicht geeignet. Das Risiko für gesundheitliche Schäden ist hoch und betrifft oft nicht nur einzelne Pferde, sondern ganze Bestände. Wer Alternativen zu Heu sucht, sollte auf analysierte Heulage mit hohem TS-Gehalt oder staubfreies Trockengrün (z. B. Luzerne-Cobs) ausweichen.

Die Faustregel lautet: Silage ist Rinderfutter – für Pferde meist nicht geeignet.
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